FAQ für de.rec.musik.machen: Schlagzeugmikrofonie – Was, wie, warum, womit und überhaupt

Schlagzeugmikrofonie – Was, wie, warum, womit und überhaupt

Da mich häufiger Fragen danach erreichen, hier ein paar Antworten:

Q: Mikrofonieren oder nicht?
A: Kommt drauf an :-)

Je nach Musikrichtung muß man die Drums in kleinen Clubs nicht unbedingt mikrofonieren. Es kann allerdings durchaus förderlich sein, zumindest Bassdrum und HiHat mit Mikros zu versehen, um dort bei Bedarf ein wenig stützen zu können. Je nach Sound der Snare kann auch hier ein leichtes Stützen hilfreich sein.

Dabei gebe ich persönlich der Bassdrum, auch wenn sie an sich laut genug ist, gerne ein bischen Schub untenrum (passend zum Bass), der Snare das, was ihr im Raum fehlt (meist irgendo zwischen 250 und 500Hz), je nach Trommel, Raum und Musikrichtung.

Die HiHat sorgt für die Abrundung nach oben, wenn sie im Bandgefüge nicht genug durchkommt oder zu "klingelig" kommt.

Bei größeren Publikumsmengen und auch open air sollte immer mikrofoniert werden (is klar).

Q: Welches Mikro wofür und wie?
A: So unterschiedlich wie die Sets sind auch die Vorstellungen über die "richtigen" Mikrofone für die Abnahme.

Mein "Standard" für Rock'n'Roll aller Art:

  1. BD:

    Beta 91 oder Audix D6, ab und an kommt auch mal was von EV oder Beyer rein. Das Beta 91 (oder auch SM91) hat den großen Vorteil, dass man es eigentlich nur halbwegs mittig in die Trommel werfen muß, um einen brauchbaren Sound zu bekommen. Klingt die Trommel von natur aus eher dünn und nach Pappkarton, kann es sinnvoll sein, sie mit ein bis zwei Backsteinen zu füllen oder mit z.B. dem D6 am kleinen Loch im Resofell abzunehmen. Letzteres hat mit dem Natursound zwar nicht mehr viel zu tun, kann aber in Verbindung mit einem Gate den gewünschten Wumms bringen.

    Ich habe auch schon Trommler gesehen, die ihre Bassdrum mit einem SM58 brauchbar und sauber mikrofoniert haben...

    EQ: Zwei Bereiche sind interessant: Alles unter 120Hz (Druck) und der Bereich um 3-5kHz (vor allem bei Metal für den "Klick").

    Ergänzung: Je nach Trommel und persönlichem Geschmack darf es auch mal deutlich höher sein als 5kHz. 10-12 kommt teilweise auch gut.

    Wer zwei parametrische Bänder am Kanal-EQ hat: Low Shelf +10dB, mit dem unteren Mittenband den Bereich zwischen 80 und 200Hz nach Geschmack etwas dämpfen. Wenn das untere Mittenband nicht so tief geht: Schade :-)

    Meine aktuelle Rock-BD:

    • 60Hz Low-Shelv (viel!)
    • ~150Hz - 250Hz raus (je nach Brummelfaktor)
    • 10-12kHz rein
  2. Snare:

    Audio-Technica AE5100 an Rimclamp. Alternativ: ATM35 bzw. Pro35(a)x, SM57/Beta 57, Beta 98.

    Das 5100 und das 57er sollten in einem Winkel von ca. 45° auf das Fell zeigen. Zu flach bringt wenig Teppich (Höhen) zu steil bringt zu wenig Kessel → Probieren.

    Bei tiefen Snares kann es sinnvoll sein, von unten den Teppich abzunehmen, hierbei ist ein "Phase-Reverse" am Pult sinnvoll.

    EQ: Mit dem Mittenband eine Frequenz suchen, die ordentlich "knallt", wer zwei Bänder zur Verfügung hat, macht das ganze eine Octave höher nochmal.

    In den meisten Fällen können Snares ein wenig Höhen vertragen, Low-Cut kann sinnvoll sein.

  3. Toms:

    Pro35x (easy und klingt), SM57 (wers mag...), Beta 98, Sennheiser e609.

    Edel: AKG C414 (wer gerade mal ein paar Tausender übrig hat).

    Winkel wie bei der Snare.

    EQ: Mitten relativ breit raus, unten und oben pushen. 3-5kHz kann nett klingen → Probieren

    Gates sind je nach Trommel sehr sinnvoll, vor allem bei tiefen Toms, die gerne zum Nachschwingen neigen.

  4. HiHat:

    Gerne Kondensatoren (C-391, AT4040, AT2020, SM81, AE5100...) oder zur Not SM57 oder Sennheiser 441.

    Edel: C414

    Nicht so hübsch, weil meist "klingelig": Pro37 und C-1000.

    Bitte von innen nach außen, d.h. von oben gesehen ist das Mikro im Mittelpunkt des Beckens aufgehängt und zeigt um ca. 45° geneigt auf den äußeren Rand. Wer Topfdeckel mag, darf es auch andersherum probieren.

    Kleine Änderungen an der Position können große Wirkung bringen.

    Mikro sollte von der Snare weg zeigen.

    EQ: Low Cut schalten, Bässe und tiefe Mitten raus, mit dem oberen Mittenband "crisp" machen, vorsicht mit dem High-Shelf!

    Alternative Mikroposition, z.B. mit Großmembran: Schräg von oben (ca. 10° geneigt) knapp außen am Rand vorbei, Kapsel ca. 20mm über dem oberen Becken kann je nach Blech auch gut klingen.

  5. Overheads:

    Prinzipiell das gleiche Zeug wie für HiHats.

    Nicht zu hoch hängen, vorsicht mit Phasenauslöschungen.

    EQ: Bass und tiefe Mitten raus, mit oberem Mittenband und Höhen hübsch machen. U.U. kann es notwendig sein, bei ca. 1kHz etwas zuzugeben (vor allem bei Rides).

    Low-Cut sinnvoll.

  6. "Sparversion":

    Bassdrum wie oben beschrieben, dazu ein Overhead in Nierencharakteristik direkt über die Snare hängen, allerdings in Form eines Overheads etwas höher. Bringt bei kleinem Budget, brauchbarem Mikrofon und gut gestimmten Set meist sehr brauchbare Ergebnisse. Empfehlenswert z.B.: AE5100 oder SM81.

    Funktioniert aber zur Not auch mit einem 57er.

Ich hoffe, es hilft ein wenig.