FAQ für de.rec.musik.machen: Ist ein Keyboard mit Begleitautomatik als Einsteigerinstrument geeignet?

Ist ein Keyboard mit Begleitautomatik als Einsteigerinstrument geeignet?

Über dieses Thema wird in de.rec.musik.machen gelegentlich ausdauernd debattiert und gestritten. Stellvertretend für das Spektrum der Argumente die beiden folgenden Postings:

Am 18.5.2006 schrieb Jonas Vondran:

Ich habe einige Leute in meinem Bekanntenkreis, die Keyboard gelernt
haben ("Tischhupe"). Ich selbst habe Klavier spielen gelernt.
Die Keyboarder haben im gleichen Alter, wie dein Sohn jetzt ist,
angefangen (vielleicht noch etwas früher) und ~5 Jahre später hat keiner
mehr Spaß am Keyboard, alle sind auf andere Instrument umgestiegen,
hier ausnahmslos Gitarre (da hätte man auch gleich damit beginnen
können). Wenn die sich jetzt an ein Klavier setzen, qäulen sie sich echt
einen ab. Die fünf Jahre Keyboard-Unterricht sind für die Katz' gewesen
und haben ihnen gleich noch die Tasteninstrumente vergrault.
Ich selbst freue mich immer wieder, dass ich (gewöhnt an relativ
schwergängige Tasten) auf so ziemlich jedem Klavier/E-Piano/Keyboard
zurechtkomme und spiele auch immer noch gerne und viel, obwohl ich
keinen Unterricht mehr habe.
Evtl. solltest du dir wirklich nochmal überlegen bzw. mit dem Sohnemann
überlegen, ob Keyboard das richtige ist. "Ein Instrument lernen" ist
imho etwas anderes.
Aber ich wünsch ihm trotzdem viel Spaß und (Lern-)Erfolg, was immer er
auch machen wird ;-)

Am 4.5.2005 schrieb Torben Anschau:

Leute geben das Lernen auf, weil sie keinen Bock mehr haben. Das
Instrument ist da nur eine Ausrede. Ich kenne bspw. ganz viele, die zu
ihrer Jugendzeit auch ein "richtiges" Klavier hingestellt bekommen
haben. Dann haben sie eine Lehrerin vor die Nase gesetzt bekommen und
sie sollten zweimal in der Woche mit der irgendwelche grottenlangweilige
Etüden spielen. Die haben aufgegeben. Ich mit meinem eigentlich
unbrauchbaren Instrument nicht, im Gegenteil. Weil die Musik, die ich
damit machen konnte, mir Spaß machte. Weil es viel daran zu entdecken
gab, was ich bei einem Klavier zu der Zeit noch nicht gekonnt hätte. Von
meiner damaligen Wahrnehmung her gab es an dem Klavier 88 Tasten, zwei
Pedale, einen einzigen Klang und der konnte noch nicht mal so lange
ausklingen, wie ich die Taste drückte. Von Resonanzen und was noch alles
hatte ich da noch keine Ahnung und es hätte mich wahrscheinlich gar
nicht interessiert.
An meinem beschränkten Keyboard gab es lauter Knöpfe und Schalter, bei
denen ich herausfinden wollte, was passiert, wenn man sie benutzt. Da
gab es einen Pianoklang, Organ, Oboe, Harpsichord und Strings. Die
hörten sich unterschiedlich an und das war spannend. Ich hatte natürlich
keine Ahnung, was Oboe, Harpsichord und Strings sind, also wollte ich
sowas wissen.
Und dann gab es Rhythmen, Fill-Ins und so ne komische Einstellung, wo
das Teil zum Rhythmus Musik machte, wenn man im linken Keyboardbereich
eine Taste drückte. Drückte man mehrere, dann kam da was zusammen, was
man als Begleitung wahrnahm.
Dann die ersten Noten dazu und ruckzuck konnte man Oh when the Saints
spielen. Ruckzuck war ein Erfolgserlebnis da. Mit so einer kleinen
Pitchschraube konnte man abstürzende Flugzeuge nachmachen usw. Tempo des
Rhythmus auf Maximum stellen und sich drüber freuen. Halt so Zeugs, was
Kindern schnell Spaß machen kann. Ich hab damit den ganzen Tag
rumgezockt, die andern mit ihrem Klavier nur 5 min bevor die Lehrerin kam.
Gut, und dann gab es eben vernünftigen Unterricht, der aber aufs
Orgelspielen zugeschnitten war. Bedeutet: Harmonien (zunächst für
Begleitung) wurden sehr früh beigebracht, während die Klavierschüler
teilweise noch in der Oberstufe nicht begriffen haben, dass sie mit A D
F einen D-Moll-Akkord spielen. Und viele andere Sachen, die beim Klavier
gar nicht relevant gewesen wären. Bald wollte man bessere Instrumente,
die dann bspw. Hundert Klänge und mehr Ryhthmen hatten, vielleicht
direkt spielbare Schlagzeugklänge, schließlich veränderbare Klänge.
Sowas hat zumindest bei mir die Laune erhalten, bis heute. Gleichzeitig
kam trotzdem das Bedürfnis, sich mit echten Klavieren
auseinanderzusetzen. Und heute weiß ich, was das besondere an Resonanzen
bin und kann sehr wohl auch beidhändig spielen. Die Leute mit dem
Klavier haben bis auf zwei, die heute Musik studieren alle vergessen,
dass sie das mal konnten.
Warum? Weil sie erstens alles vorgesetzt bekamen. Zweitens bekamen sie
was vorgesetzt, dass sie nicht begeisterte. Ich konnte nach relativ
kurzer Zeit auch Lieder vorspielen, die meine Mitschüler und nicht nur
die Oma gutfanden. Ich war nicht auf die Adrenalinballade und Für Elise
beschränkt. Irgendwann konnte man halt "Jump" spielen oder was
von Elton John für die Mädels etc. Es gab also auch Feedback.